Mein Freund der Abteilungsleiter

Mein Freund der Abteilungsleiter
 

Moin Kollegen!

Treffe ich doch heute Morgen am Kaffeeautomaten meinen ehemaligen Büronachbarn Kalle Kleinlich. „Mensch, Kalle“, sage ich, „wie siehst du denn aus? Schläfst du gar nich mehr?“ Er schaut mich durch tiefe Augenringe wie ganz von Weitem an. „Nee, Willi, damit is Schluss. Mit der Ruhe isses vorbei. Ich bin ja jetz Abteilungsleiter.“ „Du? Sach bloß! Mensch Kalle, wer hätte das gedacht.“ „Ja, die ganze Verantwortung. Für die Mitarbeiter. Das sind ja jetz Mitmenschen. Für die muss ich sorgen wie für ne Familie.“

Jetzt seh ich, dass er vorne auf dem T-Shirt einen großen Button angeheftet hat: „Sprechen Sie mich an!“ Und wie er sich bückt, um den Korb mit den Gummibällen abzustellen, erblicke ich auf seinem T-Shirt hinten eine Handynummer und die E-Mail-Adresse „info@Kalle-einer-für-alle“. „Was machst du denn mit den Gummibällen, Kalle?“ „Is gegen den Mausarm. Damit trainieren wir jeden Morgen. Immer mit der Hand drücken. Gesundheitsmänitschment. Weißt du?“

Er lacht mich nervös mit seinen großen Zähnen an, die früher etwas ins Maisgelbe spielten, aber jetzt in makellosem Weiß erstrahlen. „Soziales Bleaching“, sagt er und tippt an seine Schneidezähne, „kann ich von der Steuer absetzen. Muss ja jetz immer lächeln. Wegen der Menschlichkeit und der Mottivazzion.“ „Verstehe, aber warum hast du denn keine Schuhe an?“ „Fußsohlenmassage, Willi. Ich bin ja nur noch unterwegs, Besorgungen machen und so. Is für die Reflexe. Da geh ich mit gutem Bespiel voran. Gesund führen.“

Ich frage, wieso er denn so viel unterwegs ist. Jetzt muss er erst mal Müsli kaufen, für die Abteilung. Dann die Stühle im Tagungsraum zur Seite räumen und Matten auf den Boden legen, weil Frau Schneider ihren Yoga-Einzelunterricht hat. Um elf ganze Abteilung Blutdruck messen. Risikomänitschment. Wenn alle schon ihre Ärmel hochgekrempelt haben, kommt Kalle schneller durch. „Heute Nachmittag Elternsprechtag am Stadt-Gymnasium.“ „Aber Kalle, du hast doch gar keine Kinder!“ „Nee, aber Frau Kösliner-Widmann. Die ist alleinerziehend und hat doch ihre Fortbildung.“ Und um 22 Uhr: „Kursus für die Wörk-Life-Bälänz. Ganz wichtig, Willi, sonst hastu ja gar kein Privatleben mehr.“

Und weg ist er. Gut, dass ich kein Abteilungsleiter bin.

Euer Willi

zurück zur Startseite

 

drucken Kontakt  
Zahl der Woche
... Unternehmen gibt es » mehr
Umfrage
Wo ruht aus Ihrer Sicht das größte Kostensenkungspotenzial im Gesundheitsbereich?
Die Ergebnisse der Umfrage sehen Sie hier. » mehr
Kuriosität und Alltag
Wer hat die Büroklammer erfunden? » mehr
RGM-Tagebuch
Aktuelle Meldungen aus dem RGM-Tagebuch. » mehr


Separator