Warum gibt es eigentlich so viele Krankenkassen?

27.02.2010
Warum gibt es eigentlich so viele Krankenkassen?
 

Bei den gesetzlichen Krankenkassen ist eine große Fusionswelle in Gang gekommen. Dieses Jahr ist ihre Zahl auf unter 200 gefallen. Wem das viel erscheint, der sei daran erinnert, dass 1883, als die gesetzliche Krankenversicherung gegründet wurde, ca. 35.000 Kassen existierten.

Die große Zahl der Krankenkassen in Deutschland hat historische Gründe, die ersten Kassen in Deutschland entstanden um 1800. Sie waren die Vorläufer der Betriebskrankenkassen. Mit dem Voranschreiten der Industrialisierung entstanden immer neue Kassen: in Unternehmen, Gewerkschaften, Städten und Regionen. In Deutschland gab es also von Anfang an sehr viele Kassen.

Reichskanzler Otto von Bismarck schuf 1883 einen gesetzlichen Rahmen, dem sich alle bestehenden und neuen Kassen einzufügen hatten, er schuf aber keine neuen Institutionen, die eine Vereinheitlichung und Reduzierung der unübersichtlichen Kassen herbeigeführt hätte. Er knüpfte stattdessen an das bestehende System der Selbsthilfekassen von Handwerkern und Fabrikarbeitern an.

Die starke Zergliederung in Orts-, Betriebs-, Bau- und Innungskrankenkassen nahm ihren Lauf. Es kamen sogar noch andere Kassenarten wie etwa Knappschafts-, Hilfs- und Gemeindeversicherungskassen hinzu. So ein Kassenpluralismus war unüberschaubar und äußerst unpraktisch.

Seitdem wurden kontinuierlich Maßnahmen ergriffen, um die Anzahl der Kassen zu verringern, da allgemein über mangelnde Transparenz und Orientierungslosigkeit in Rechtsfragen geklagt wurde. Die „Reichsversicherungsordnung“ von 1911 war ein großer Schritt in diese Richtung. Sie definierte eine Mindestzahl an Mitgliedern, wodurch bereits 50 Prozent der Kassen schließen mussten. Solche Fusionierungsmaßnahmen fanden im Laufe der Jahre immer wieder statt. Am 1. Januar 1996 gab es nur noch 642 gesetzliche Krankenkassen. 532 davon waren Betriebskrankenkassen.

Ex-Gesundheitsministerin Ulla Schmidt empfahl im Jahr 2008, die Zahl der Krankenkassen langfristig auf 50 zu reduzieren, um die Kosten im Gesundheitswesen zu minimieren.

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